Dienstag, 23. Mai 2017

Von Wegen Lisbeth: Immer noch grande

So schnell die Zeit: Einen Sommer danach getanzt, jetzt schon wieder vergessen? Keinesfalls, denn zum einen haben sich Von Wegen Lisbeth mit ihrem Debütalbum Grande 2016 ein ganz klein wenig unsterblich gemacht, zum anderen steht ja, so hofft man, bald etwas Neues ins Haus. Denn es wird ja in diesem Jahr, wenn auch recht spät, noch einen Hallentour der Berliner geben und da wird ja dann wohl auch neues Material zu hören sein. Oder!? Hier und heute jedenfalls gibt es noch ein neues Video von der nicht mehr ganz so neuen Platte - "Chérie", gedreht von Dominik Zschäbitz und Sophie Lakow.

27.09.  Berlin, SO36 (ausverkauft)
28.09.  Berlin, SO36 (ausverkauft)
29.09.  Leipzig, Täubchenthal
30.09.  Dresden, Alter Schlachthof
02.10.  Zwickau, Altes Gasometer
03.10.  Kassel, 130bpm
05.10.  Erlangen, E-Werk
06.10.  Ingolstadt, Eventhalle Westpark
07.10.  Wien, WUK
08.10.  München, Muffathalle
10.10.  Ulm, Roxy
11.10.  Frankfurt, St. Peter
12.10.  Köln, E-Werk
14.10.  Karlsruhe, Tollhaus
17.10.  Trier, Tuchfabrik
18.10.  Dortmund, FZW
19.10.  Hannover, Capitol
20.10.  Bremen, Schlachthof
21.10.  Rostock, Mau

Downtown Boys: Nebenkostenabrechnung

Musik, Songs, die für sich sprechen - nichts lieber als das: Die Downtown Boys, Providence/Rhode Island, sind ähnlich wie die kürzlich wiedererstandenen At The Drive-In das, was man eine politische Band nennt. Seit ihrem selbstverlegten Debüt aus dem Jahr 2012 und dem Nachfolger "Full Communism" (2015) ist ja bekanntlich einiges daheim passiert und zwar nicht unbedingt das Allerbeste, deshalb kommen sie nun mehr als rechtzeitig mit der nächsten Platte "Cost Of Living" daher. Produziert hat den mutmaßlichen Kracher, der für den 11. August via Sub Pop terminiert ist, übrigens kein Geringerer als Fugazi-Legede Guy Picciotto - was also soll da noch schiefgehen?! Reinhören? Gerne doch - hier die etwas ältere Single "Somos Chulas (No Somos Pendejas)" und ganz aktuell der Song "A Wall".



Silverbacks: Irische Indianergeschichten

Sie haben sicher nichts dagegen, wenn man sie mit so alterehrwürdigen Größen wie Sonic Youth in einem Atemzug nennt - schließlich gibt es weitaus schlechtere Vergleiche. So, wie die Silverbacks aus Dublin losrocken, ist der Bezug jedenfalls naheliegend. Auf dem Bandfoto des vergangenen Jahres, hier für die feine EP "No Duds Club" gepostet, waren noch drei von vier Personen zu sehen, man hat also um eine erweitert und gleich mal mit "Sink The Fat Moon" eine neue EP am Start. Alles ganz wunderbar kracherter Noiserock mit Hang zum dissonanten Experiment, ganz im Sinne der besagten Vorbilder also. Fünf Stücke sind auf dem Kurzformat zu hören, "The Great Father" thematisiert auf sehr unterhaltsame Weise das außereheliche Liebesleben von Bill Clinton, die Bassline der Single "Dirty Money" haben sie sich laut Selbstauskunft von den Pixies geborgt und das Schlußstück "Holiday In Cambodia" ist alles, nur keine Hommage an die Dead Kennedys. Auch Cover und Titel können leicht mißverstanden werden, es geht hier nicht vordergründig um dicke, kahle Männerköpfe, die als feiste Mondgesichter unters Wasser gehören - vielmehr soll hier Bezug auf den amerikanischen Autor Dee Brown und sein berühmtes Buch "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses" genommen werden, welches die Bandmitglieder durch die Bank während der Arbeit an der Platte gelesen haben wollen. Nun ja, wer's glaubt. Am Ergebnis gibt es jedenfalls, Indianer hin, Mond her, nichts zu meckern.

Fearing: Untergrund

So, jetzt zur Abwechslung wieder mal etwas gänzlich Düsteres: Für Fearing, ein Quartett aus dem kalifornischen Oakland, ist die dortige Sonne offensichtlich nicht erfunden worden, die Männer um Sänger James Rogers geben sich derart spaßfrei, daß man fast versucht ist, ein weiteres Revival des Gothrock auszurufen (wo doch das letzte noch gar nicht so lange her ist). Abgrundtiefe Stimme, flackernde Minimalbeleuchtung, Bass und Gitarren direkt aus dem Untergrund - so zumindest hört sich die aktuelle Single "Another Night" der an diesem Freitag erscheinenden EP "A Life Of None" an - natürlich nirgendwo anders als bei Funeral Party Records.

Sløtface: Nicht ganz so brav [Update]

Okay, Haim waren heute sicherlich ein Knaller. Aber so gut sie klingen - ein wenig brav sind sie eben schon. Da passt es ganz gut, daß wir mit Sløtface noch eine Band für heute in petto haben, die etwas wilder ist. Die Norweger um Leadsängerin Haley Shea hatten ja im vergangenen Jahr eine Reihe vielversprechender Songs veröffentlicht, nun ist für den 15. September endlich ihr Debütalbum "Try Not To Freak Out" angekündigt und mit "Magazine" gibt es davon auch gleich die erste Single zu hören.

17.09.  Berlin, Musik und Frieden
19.09.  Köln, MTC
21.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
24.09.  Wiesbaden, Schlachthof
26.09.  München, Strom 

Update: Ersetzen wieder mal Ton durch Bild - hier ist das Video zur Single + Coverart des Albums.


Montag, 22. Mai 2017

Pumarosa: Universell

Pumarosa
„The Witch“

(Caroline/Universal)

Es gab und gibt ja in Kunst einige wenige Universalgenies, denen es vergönnt war bzw. ist, stilistisch auf verblüffend vielfältige Weise zu glänzen. Maler, bei deren Oeuvre man also das Gefühl hat, es versammle nicht das Werk eines Einzigen, sondern das mehrerer Genies verschiedener Epochen; Filmregisseure á la Spielberg, die in sämtlichen Genres zur Hochform auflaufen oder Schriftsteller wie beispielsweise der bewundernswerte David Mitchell, der dem Leser mit jedem seiner Romane einen weiteren Kosmos mit einer neuen Sprache erschließt oder dies im allerbesten Falle gleich mehrfach zwischen zwei Buchdeckel zu packen vermag. Und auch wenn die Haare, an denen dieser Vergleich herbeigezogen wird, ziemlich lang sind – nicht anders verhält es sich mit dem vorliegenden Album.



Denn dem Londoner Quintett Pumarosa gelingt es auf unvergleichliche Art, verschiedenste Facetten und Gesichter auf die Spiellänge einer knappen Stunde zu verdichten. Da hätten wir den fein verschränkten Synthpop von „Dragonfly“, knorrige Post-Punk-Gitarren bei „Honey“ und die ausufernde Psychedelik von „The Witch“. Der hypnotische Flow samt wunderbarem Saxophonsolo der Vorabsingle „Priestess“ nimmt sich mit siebeneinhalb Minuten genausoviel Zeit, wie er eben braucht, „Lions Den“ gemahnt mit schwermütigem Piano-Intro an einen Radiohead-Song aus Kid-A-Zeiten wie das darauffolgende „Gruesome“ an den unbeschwerten Indierock der Neunziger. Es fehlen nicht die funkigen Gitarrengrooves („Red“), Drum’n’Bass-Beats („Hollywood“) und nervöse Jazz-Anklänge beim abschließenden „Snake“.

Zuviel des Guten? Keinesfalls. Denn ähnlich wie der Maler mit Pinsel und Leinwand bringen es die Musiker von Pumarosa mit der bezaubernden Sängerin Isabel Munoz-Newsome bei jedem ihrer Stücke zu erstaunlicher Perfektion, gerade so, als hätten sie ihren Lebtag nichts anderes gemacht als jenen Sound in diesem einen Moment. Wer mag, darf sich gern ein paar Verbindungsglieder erschließen, welche die Vielfalt zusammenhalten: Die Melancholie und zeitweise Düsternis vielleicht, die durch die Stücke schimmern (und sie manchmal nahe an den Gothrock bringen) oder vielleicht die Rolle der Frau als geheimnisvolles, kämpferisches und angreifbares Wesen, im hypnotischen Doppel aus Titelsong und „Priestess“ thematisiert. Viel mehr an Mut und Inspiration läßt sich (genreübergreifend, wenn man so will) zur Zeit kaum hören.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Love A: Schreiende Ungerechtigkeit

Love A
„Nichts Ist Neu“

(Rookie Records)

Für Verlierer ist normalerweise nichts zu holen. Der letzte, für den mehr heraussprang als ein Blumentopf, war ein linkischer Schlacks namens Beck Hansen und fragte „I’m a loser baby, so why don’t you kill me?“ Fünfundzwanzig Jahre ist das mittlerweile her, geändert hat sich seitdem nichts. Was Wunder also, daß eine so gute Band wie Love A aus Trier wahrscheinlich auch mit dem vierten Album keine allzu großen Bäume ausreißen wird. Fair ist das nicht. Hier paßt er mal, der Begriff der „schreienden Ungerechtigkeit“. Denn was in der Kriminologie das Übertöten, das ist bei Love A und ihrem so leidenschaftlichen Frontmann Jörkk Mechenbier das Überschreien. Da muß alles raus, der ganze Frust, die Abscheu, die Enttäuschung. Seit ihrem Debüt „Eigentlich“ aus dem Jahre 2011 hat sich an den Songs nichts Wesentliches geändert, Punkrock im Grenzbereich, schnell, kraftvoll, stets am Anschlag. Wer da wen vor sich hertreibt – Stimme den Sound oder umgekehrt – ist eigentlich egal, die Welt ist zu schlecht, um stillzuhalten und weil sie nicht besser wird, werden auch Love A nicht leiser.



Und die Mängelliste ist lang: Man lebt nebeneinander her, ohne sich zu kennen, die Entfremdung nimmt zu und das Scheitern ist Alltag („Nachbarn II“), die Gedanken und Gesänge von gestern sind heute dank Petry Heil und Adolf Wundermann buchstäblich wieder brandaktuell („Unkraut“), der „Sonderling“ wird verlacht (obwohl wir uns doch alle die kleine Wohlfühlnische wünschen), der oder das Deutsche nervt generell („Löwenzahn“) und „am Ende des Tages sind wir alle gefickt“, stolpern einfach weiter und haben uns ans Verlieren schon lange gewöhnt. Richtig glücklich ist hier niemand, keiner leidet so schön wie Mechenbier und der einzige Trost ist, daß eben das dazugehört zum Leben: „Wir müssen Risse haben, damit das Licht hineinkann, wir müssen Kanten haben, damit es Risse gibt“ („Kanten“). Wie er seine Zeilen über den Münchner Stenz, den „Monaco“-Franze meint, bleibt im Ungefähren, da paßt der Unmut nicht so recht zum Charme des Protagonisten. Egal, man würde ihnen wünschen, daß die Wut sich auch mal auszahlt, endlich. http://love-a.de/

24.05.  Hamburg, Molotow
25.05.  Düsseldorf, Zakk
26.05.  Wiesbaden, Schlachthof
27.05.  Leipzig, Conne Island
01.07.  Trier, Sommerbühne Ex-Haus
14.07.  Dortmund, Youth Brigade Festival
29.09.  Hannover, Faust
30.09.  Flensburg, Volksbad
01.10.  Rostock, PWH
02.10.  Bremen, Tower

Men I Trust: Kunststück

Kanada geizt ja momentan nicht mit guten Nachrichten - Kunststück, haben die Nordlichter doch schließlich in Justin Trudeau einen Präsidenten, dessen man sich nicht täglich zu schämen braucht. Ob da jetzt allerdings ein direkter Zusammenhang zur wunderbar leichtfüßigen Popmusik des Trios Men I Trust besteht, müßte an anderer Stelle herausgefunden werden, jedenfalls haben die drei gerade einen neuen Song "You Deserve This" in die Runde geschickt, der den Schluß zumindest nahelegt. Das Cover der Single ist im Übrigen an die kürzlich erschienene LP der Band angelegt, welche als limitierte Version unbemalt mit einer Packung Bundstiften ausgeliefert wurde - eine Art Illustrationsvorschlag also.

Holy Boy: Immer noch frostig

Aus dem norwegischen Bergen ins kalifornische Los Angeles - ein ziemlich weiter Weg, den Helene Jæger da unternommen hat: Ihre Herkunft kann die Dame allerdings kaum verleugnen, denn die Musik, die sie unter dem Pseudonym Holy Boy macht, klingt doch sehr nach frostigen Nächten im oberen Teil der Nordhalbkugel. Solistisch vor einem Jahr mit dem Song "15 Billion Miles" in Erscheinung getreten, kommt nun das mächtig bollernde "Lay Your Hands" hinterher - der Track stammt von ihrer ersten EP, die am 9. Juni via Native Habitat erscheinen soll.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Marika Hackman: Der Ernst der Lage [Update]

Man müßte schon längere Zeit suchen, wollte man ein Bild finden, wo sie nicht ganz so finster dreinschaut: Marika Hackman ist also mit ihren 25 Jahren ein größtenteils ernstes Mädchen. Was einer Folkmusikerin, die mit "We Slept At Last" schon ein hochgelobtes Album herausgebracht hat, sicher ganz gut zu Gesicht steht. Keine Frage, daß da mehr kommen soll und so ist für den 9. Juni das zweite Werk der Londonerin geplant - "I'm Not Your Man" kann bislang zwei Songs als Hörprobe vorweisen, hier also "Boyfriend" und ganz aktuell "My Lover Cindy". Und wer gut aufgepaßt hat, der weiß, dass Hackman hier im vergangenen Jahr schon wegen ihres Duetts mit dem ebenfalls verheißungsvollen Oscar Scheller aufgetaucht ist ("Only Friend").

Update: Und hier ist das Video zur aktuellen Single, gedreht hat den Clip Sam Bailey von der befreundeten Band Francobollo - sehr strange. Dazu kommt mit "Violet" ein weiterer Track vom neuen Album.



Dienstag, 16. Mai 2017

OMD: Noch nicht fertig

Nicht ganz so lange im Rennen wie die Sparks, aber auch schon etwas Patina angelegt haben Orchestral Manoeuvres In The Dark, kurz OMD. Eigentlich galt das Wave-Duo 1998 ja schon als endgültig beerdigt und die Stammplätze mit den immergleichen Songs auf den unvermeidlichen Hitsamplern waren fix gebucht. Doch Andy McCluskey und Paul Humphreys hatten offenbar keine Lust, die 80er auf immer und ewig abzufeiern und so nahmen sie 2006 die Arbeit für zwei leidlich erfolgreiche Alben wieder auf. Am 1. September soll nun via White Noise Records das nächste folgen, "The Punishment Of Luxury" erhielt seinen Titel nach einem Gemälde des italienischen Malers Giovanni Segantini und wird zwölf neue Songs enthalten, den ersten Vorgeschmack gibt es mit "La Mitrailleuse" gleich vor Ort und ab November auf Deutschland-Tour.

25.11.  Erfurt, Traumhits Festival
26.11.  Hamburg, Große Freiheit
28.11.  Berlin, Huxley's Neue Welt
29.11.  Leipzig, Haus Auensee
30.11.  München, Tonhalle
02.12.  Offenbach, Stadthalle
03.12.  Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall

Sparks: Alte Meister

Musikalisch trennen sie Welten, alterstechnisch stehen sie sich schon deutlich näher: Kaum zu glauben, daß die Gebrüder Ron und Russell Mael schon fast genauso lange Musik machen wie die Rolling Stones, Mick Jagger ist gerade mal zwei Jahre älter als der ältere der beiden Sparks. Klar würde das ehrenwerte amerikanische Duo sicher heute kein Stadion mehr füllen (wollen), aber eine Platte voller spannender Songs bekommen die beiden allemal noch hin. Nachdem sie letztens unter dem Pseudonym FFS mit Franz Ferdinand gemeinsame Sache machten, soll nun am 8. September tatsächlich ein neues Album mit dem Titel "Hippopotamus" erscheinen. Der Titelsong mit angemessen unterhaltsamem Video machte vor ein paar Tagen die Runde, heute nun kommt mit "What The Hell Is It This Time" der zweite hinterher - nicht weniger gut.

12.09.  Berlin, Columbia Theater



Gemischtes Doppel: The Japanese House vs. Babeheaven [Update]

Selten hat man die Gelegenheit, gleich zwei tolle Bands mit zwei tollen Songs in einem Post anzupreisen. Bei den beiden folgenden macht das durchaus Sinn, denn Amber Bain alias The Japanese House und Babeheaven werden bald für acht Termine in England die Bühne teilen. In Vorbereitung also das folgende Material: Bain hat für den 16. Juni ihre bislang vierte EP angekündigt, die erste Single daraus, "Saw You In A Dream" (produziert mit George Daniel/1975), stellen wir jetzt vor. Die wunderbaren Babeheaven wiederum, hier schon mit ihren Songs "Moving On" und "Ode To Dom" gewürdigt, haben sich für ihren Neuling "Your Love" mit Deem Spencer zusammengetan - Hammersong!

Update: Gute Gelegenheit, noch mal auf beide Bands und Songs hinzuweisen, denn sowohl The Japanese House als auch Babeheaven haben nun die passenden Videoclips parat.

The Japanese House (solo)
02.05.  Hamburg, Prinzenbar
03.05.  Berlin, Privatclub
06.05.  Wien, Chelsea
07.05.  Zürich, Papiersaal



No Vacation: Mögliche Urlaubsbekanntschaft [Update]

Das Leben kann manchmal ziemlich ungerecht sein. Immer dann nämlich, wenn man sich mal entspannen möchte, der Geist hinwegdämmert und auch sonst alles schön im Fluß ist, kommt garantiert von irgendwo eine Stimme daher mit dem denkwürdigen Schlußsatz: "Wir sind doch hier schließlich nicht im Urlaub!" Um wievieles härter muß diese Ermahnung junge Leute treffen, die in San Francisco aufgewachsen sind, in der Sonnenstadt schlechthin also. Sab Mai, Marisa Saunders, Nat Lee, Harrison Spencer und James Shi zum Beispiel. Doch unterkriegen lassen die sich davon nicht. Sondern gründen einfach eine Band mit dem Namen No Vacation und schreiben traumhafte Lieder. "Beach Bummer" zum Beispiel, oder "Dreamgirl", eine wunderbare Ode an ein Mädchen mit blauen Knien. Und jetzt eben "Mind Fields". Die Single ist seit Ende Februar im Handel und wir wollen trotzdem darauf verweisen - im Juni soll ihr nächstes Album, Nachfolger für das 2015 erschienene "Amo XO", erscheinen. Genau das Richtige für den Urlaub also.

Update: Den wollen wir gleich weiterreichen - mit "Yam Yam" gibt es einen neuen Song, mutmaßlich von der immer noch im Juni geplanten LP.

Courtney Barnett: Ei mit Hai

Neues von Courtney Barnett ist immer einen Post wert: Die so liebenswerte wie streitbare Australierin hat im Rahmen einer Splitsingleaktion der Labels Milk! Records und Bedroom Suck eine 7" mit dem Titel "How To Boil an Egg" aufgenommen und wenn jetzt jemand energisch dazwischenrufen will "Moment, das Ding kenn' ich doch schon!", dann müssen wir sagen: Jain. Denn der Titel ist tatsächlich eines der ersten Stücke, die Barnett im Alter von einundzwanzig schrieb, für die aktuelle Version hat sie in aber nochmal alle Instrumente neu eingespielt und zwar höchstselbst. Wann der Nachfolger für ihr formidables Album "Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit" (2015) ins Haus steht, wissen wir allerdings noch nicht, dieses Stück steht vorerst nur für sich allein.

Miya Folick: Alles richtig

Sie hat wohl alles, was es zu einem Star braucht und will doch keiner sein: Grimmiger Blick, kratzige Gitarren, Selbstbewußtsein nicht zu knapp - Miya Folick macht momentan alles richtig. Nach ein paar Achtungszeichen zur Einstimmung hat die junge Dame aus Los Angeles gerade ihre nächste EP "Give It To Me" via Terrible Records angekündigt, dazu gibt's neben dem neuen Look (der ein wenig an die junge Sinead O'Connor erinnert) mit "Trouble Adjusting" auch eine weitere Single zu hören.

Montag, 15. Mai 2017

Fleet Foxes: Gar nicht vergeblich

Schon die erste Kostprobe war im besten Sinne reichhaltig, nun kommt die zweite hinterher: Von ihrem für den 16. Juni angekündigten dritten Album "Crack-Up" haben die Fleet Foxes Anfang März die Vorabsingle “Third of May/Ōdaigahara” veröffentlicht, für die nächste Nummer "Fool's Errand" gibt es nun einen Videoclip, gedreht von des Sängers Robin Pecknolds Bruder Sean. Und weil es gerade so gut paßt, kommen hier noch drei der lang erwarteten Livetermine hinterher.

12.11.  Hamburg, Docks
13.11.  Berlin, Columbiahalle
01.12.  Köln, Live Music Hall

Cigarettes After Sex: Endzeitstimmung [Update]

Über den betörenden Charme der Musik von Cigarettes After Sex, einer vierköpfigen New Yorker Kapelle, haben wir hier ja schon geschwärmt, von dem tiefschwarz gefärbten Pop gab es bislang eine EP zu hören, nun soll am 9. Juni via Partisan Records endlich ihr Debütalbum folgen. Darauf enthalten neben dem letztens vorgestellten Song "K." auch die neue Single "Apocalypse", erfreulicherweise kommen die vier Herren auch gleich noch auf ein paar Termine vorbei.

11.04.  Berlin, Heimathafen Neukölln
12.04.  Hamburg, Knust
26.04.  München, Technikum
27.04.  Wien, Flex
03.08.  Luhmühlen, A Summer's Tale
06.11.  Köln, Kulturkirche
04.12.  Zürich, Plaza
06.12.  Berlin, Astra

Update: Ein weiterer Song erreicht uns heute - hier kommt "Each Time You Fall In Love", dazu noch drei neue Termine für das spätere Jahr.



DAF: FETT

Die Nachricht geisterte ja schon letzte Woche durchs weltweite Netz, nun gibt es endlich Belastbares: Am 29. September wird Groenland Records ein richtig fettes Reissue-Packet von DAF ins Regal stellen - unter dem Titel "DAS IST DAF" versammeln sich die vier originalen Vinyl-Scheiben des Duos aus Düsseldorf, weiterhin eine Remix-12" namens "Reworx" und eine 7" mit zwei neuen, bislang unveröffentlichten Stücken (eines davon heißt laut Packshot "Sprache der Liebe"), weiter eine Slipmat, ein Fotobuch plus Autogrammkarte. Und weil Hören immer schöner ist als Schauen, gibt es hier zumindest den ersten offiziellen Schnipsel des Moroder-Remixes von "Mussolini".

26.05.  Düsseldorf, FZW
30.09.  Berlin, Astra
11.11.  Hamburg, Markthalle

Woman: Nicht an jeder Ecke

Woman
„Happy Freedom“
(Asmara)

Fast ist man versucht sich zu entschuldigen, weil man dem Kölner Trio nach Anhören ihrer vorzüglichen Single „Control“ Soulambitionen angedichtet hatte. Natürlich spielen Woman keinen Soul, ebensowenig wie Funk, Progrock, Synthpop oder Dance. Jedenfalls nicht ausschließlich. Denn was die Musik von Manuel Tran, Milan Jacobi und Carlos Hufschlag auszeichnet, ist die Fähigkeit, mit all den genannten Stilen so gekonnt zu jonglieren, daß es schwerfällt, diese Mixtur in eine einzige Schublade zu stecken. Das kann bisweilen auch gewaltig schiefgehen, man kann sich verzetteln und einen Gemischtwarenladen in Discountergröße aufbauen – die drei tun zum Glück das nicht. Der Sound von Woman ist angenehm ausbalanciert, geschmeidig und vertrackt zugleich, eigentlich finden sie immer einen Dreh, die Songs weder beliebig noch anstrengend klingen zu lassen.



Daß Zebo Adam, der Mann hinter den österreichischen Durchstartern Bilderbuch, seine  Finger an den Reglern hatte, läßt sich unschwer heraushören, ein Stück wie „Love“ hätte mit seinen breitbeinigen Gitarrenriffs plus ein wenig mehr Schmäh durchaus auch auf der letzten Platte der Wahlwiener Platz gefunden. Auch andere Bezüge sind mit Bedacht, aber aller Deutlichkeit gewählt – Pink Floyd schimmern passenderweise in einem Track namens „Money“ durch die Saiten, für Moroder, Zoot Woman und The Whitest Boy Alive bleibt bei „Marvelous City“ und „Concrete Jungle“ genügend Assoziationsspielraum, später darf man noch die Pronomen Space-, Post- und Art- in die Rock-bzw. Popkiste packen. Alles klug gemacht, Feinmechanik quasi, sämtliche Rädchen und Schräubchen sitzen und funktionieren an der richtigen Stelle und dank häufig eingestreuter, angenehm vertrauter Funkrhythmen kommt selbstredend der Tanzboden nicht zu kurz.

Damit aus dem Ganzen kein allzu ausgelassenes Fest wird (was man bei dem Titel ja durchaus vermuten könnte), geht es textlich eher besinnlich zur Sache, dem Netzmagazin Diffus haben sie kürzlich in den Block diktiert, daß sie sich sehr wohl Sorgen um die politische Kultur und das Stimmungsbild in diesem Lande machen, insofern sind der fiese Bassbeat aus „Khung-Bo“ oder die Schwermut mancher Zeile keine Ausrutscher, sondern die Folge betonter Nachdenklichkeit. Soll heißen, so „happy“ ist die grenzenlose Freiheit nicht zu haben und hat man sie erst einmal, dann will auch verteidigt werden. All diese Dinge unter einen Hut zu bringen ist schon eine beachtliche Leistung, die – mit Verlaub – hierzulande in dieser Qualität nicht an jeder Straßenecke zu finden ist.