Donnerstag, 27. Juli 2017

YOWL: Nur eine Kleinigkeit

Da ist Gabriel Byrde uns dann aber schon noch eine Erklärung schuldig: Denn wenn wir zum obigen Bild den Faktencheck machen, dann paßt da eine Sache nicht ins Bild - fünf junge Herren aus dem Londoner Stadtteil Peckham, Attitüde lässig bis großmäulig? Schon eine Idee!? Kleine Hilfe: Die Antwort fängt mit B an und hört mit SC auf... Egal, viel mehr gibt es an der Band YOWL, so nennt sich das Quintett, auch gar nicht auszusetzen. Ende vergangenen Jahres veröffentlichten die Herren ihre Debüt-EP "Before The Sleep Sets In" und mit dem heutigen Tag kommt zum aktuellen Song "My Headache Likes To Speak" ein Video daher. Hört und sieht man sich das an, dann weiß man auch, warum die Vergleiche mit den New Yorkern von Interpol nicht allzu verwegen sind.



Wolf Alice: Gar nicht zufrieden [Update]

Und noch ein Knaller zu später Stunde: Lange und kryptisch angekündigt, kommt zur Stunde endlich die neue Single von Wolf Alice um die Ecke - "Yuk Foo" sind zwei Minuten ordentlicher Krach zu hektischen Gitarren, bratzigen Beats und natürlich Ellie Rowsells wüstem Gekreisch. "You bore me to death, but I don't give a shit!" zetert sie und wer auch immer damit gemeint ist, er oder sie sollte sich schnellstens ein paar Gedanken machen. Die meisten der zwölf Stücke, die auf dem dazugehörigen neuen Album "Visions Of A Life" via Dirty Hit/RCA Records am 29. September erscheinen und somit die Nachfolge zur letzten Platte "My Love Is Cool" antreten, wird man übrigens auch hierzulande live hören können - hier die drei Termine:

30.10.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
01.11.  Hamburg, Mojo Club
02.11.  Köln, Luxor

Update: Neue Frise, alte Wucht - Wolf Alice haben nichts von ihrem Reiz verloren, das beweist auch das aktuelle Video zur Einstiegssingle.

Charli XCX: Mädchen gegen Jungs

Gerade gelesen, daß in der Weltstadt mit Herz (#Münschen!) ab Oktober ein Musical Weltpremiere feiert, dessen Titel einem schon jetzt Bauchschmerzen bereiten muss: "Boybands Forever". Allein die Auflistung der Hitlieferanten fördert Bilder und Töne aus dem Unterbewußtsein zutage, die besser dort geblieben wären. Natürlich ist das nur eine 1A-Überleitung zum neuen Song plus Video von Charli XCX, der gerade die Hyperunde dreht, denn für "Boys" gibt sich hier alles die Klinke in die Hand, was bei drei nicht im Tourbus verschwunden war und die Frage, was denn den alten Sack zum Jungspund qualifiziert kann man sich getrost schenken, denn hier wird selbstverständlich so was von gendermäßig augengezwinkert. Am Ende fallen einem platterweise die Beastie Boys mit "Girls" ein und jeder darf dann selbst entscheiden, auf welche der Seiten er sich schlägt. Die komplette Gästeliste kann man übrigens u.a. bei Under The Radar einsehen.



Mittwoch, 26. Juli 2017

Arcade Fire: Das große Durcheinander

Arcade Fire
„Everything Now“

(Smi Col/Sony)

Puh, diesmal bekommen sie aber so richtig eine mit: Was passiert, wenn sich die einst mit grenzenlosem Überschwang verehrte Lieblingsband an die Regeln von früher nicht mehr halten mag, sich also gänzlich anders verhält als erwartet, das bekommen Arcade Fire gerade (zumindest hierzulande) deutlich zu spüren. Vor Jahren den totgesagten Indierock auf den dunkel glitzernden Schwingen des Phönix aus der Asche geholt, galten Butler + Butler, Parry, Chassagne und Neufeld stets als die Lieblingskinder der Magazinhipster und  Feuilletonisten. Doch nichts ist für die Ewigkeit – weiße Anzüge, Maskenball, der ganze Guerilla-Zinober und jetzt auch noch Disco-Fever, da war dann doch Schluss mit lustig. Soll heißen: Ungnade und Liebesentzug der verschärften Sorte! In seltenem Einklang verstoßen also ZEIT und FAZ die Kanadier aus dem Olymp, als Ausdruck maximaler Verachtung werden sie mit U2 verglichen und des seelenlosen Pathospop gescholten. Schande!



Dabei darf man schon fragen, was genau denn erwartet worden war. Sicher, sie treiben es weit diesmal und stellen die Treue ihres Anhangs auf eine ziemlich harte Probe. An den schleichenden Abschied vom ehemals favorisierten und virtuos gespielten Gitarrensound hatte man sich gewöhnt, vielspurig komplex waren sie eigentlich zu allen Zeiten – doch die opulenten Dancerhythmen, auf „Reflektor“ noch vergleichsweise behutsam angeteasert, im Hier und Jetzt aber gnadenlos auf ABBA getrimmt, geben sie dem ultraorthodoxen Geschmacksbewahrer schon eine harte Nuß zu knacken. Kaum zuvor waren so viele Loops und Bleeps und Beeps zu hören wie auf „Everything Now“, die Songs zucken, bratzen und pulsieren wie im Rausch und es ist sicher kein Zufall, daß bei einem der schönsten Exemplare („Creature Comfort“) Portishead-Mastermind Geoff Barrow den finalen Mix besorgte.



Man muß diesen neuerlichen stilistischen Schwenk nicht mögen, über Eintönigkeit oder Inspirationsarmut braucht sich hier aber sicher niemand zu beschweren. Die hochgepitchten Tanznummern „Everything Now“ (mit Panflöte!) und „Put Your Money On Me“, der Dub-Sound von „Peter Pan“ und der aufgedrehte Rocksteady bei „Chemistry“ lassen jedenfalls die Bude ganz schön wackeln, von fetten Bläsern und zartem Elfengesang, J-Pop-Referenzen bis hin zum schnöden Mitgrölchorus hat die prall gefüllte Wundertüte alles zu bieten. Zu viel, zu beliebig? Vielleicht. Mithin aber ein Zeichen der Zeit. Und die haben Arcade Fire im Laufe ihrer fünfzehnjährigen Geschichte bislang noch immer ganz fabelhaft abzubilden vermocht – auch inhaltlich.



Und zwar nie mit dem wortblasenhaften Superzeigefinger von Bono oder der weichgezeichneten Alles- und Jedermannumarmung eines Chris Martin. Arcade Fire waren immer mehr als subtile Universalisten unterwegs, die freie Assoziation und Metaphorik der direkten und eben manchmal auch recht plumpen Ansprache des Agitpop vorziehen – nicht anders auch hier. Wenn es auf „Everything Now“ um die Entfremdung und Künstlichkeit unserer Welt geht, dann ist das Fiebrige, teils Wirre und Sprunghafte ihrer Songs vielleicht nicht die schlechteste Art, genau das zu transportieren. Die Vermischung einer unablässig flackernden Medienblase mit biblischen Versatzstücken wie bei „We Don’t Deserve Love“ ist dann zwar nicht eben neu und manch einer mag das auch albern finden – als Abbild für das Durcheinander einer zunehmend erodierenden Zivilgesellschaft und ihrer verzweifelten Sinnsuche taugen Song und Album auf ihre Weise aber sehr wohl. Deshalb: Daumen hoch. www.arcadefire.com

Dienstag, 25. Juli 2017

Babe Punch: Nur das Nötigste

Und auch diese vier Damen aus Nottingham gehören an einem Gitarrentag wie heute unbedingt erwähnt (den netten Herrn 2. v. r. am Schlagzeug nehmen wir der Einfachheit halber gleich mit in Sippenhaft): Bei Babe Punch steht eindeutig die Punk-Attitüde im Vordergrund, Äußerlichkeiten wie ansprechend gestaltete Plattencover oder gar hübsche Presseshots sind da eher nicht so weit oben auf der Prioritätenliste. Sei's drum, ihre Single "Control" brettert mächtig los und Erinnerungen an L7 oder Hole sind da nur einige von vielen. Das Stück ist zwar schon etwas älter, stammt von der gleichnamigen EP der Band, hat aber gerade das folgende Video verpaßt bekommen.



Dama Scout: Unter Beobachtung

Okay, damit ist es entschieden - widmen wir den Rest des heutigen Tages noch zum Gitarrentag um. Nach Material der kalifornischen SOAR gibt es nämlich an gleicher Stelle schon den nächsten feinen Song, diesmal von einer Band namens Dama Scout. Das Trio stammt aus dem schottischen Glasgow und hat im vergangenen Jahr eine Reihe von Stücken online gestellt, die auch den Perlentauchern von der BBC aufgefallen sind. Nicht nur die werden deshalb die neue, selbstbetitelte EP von Eva Lui (Gesang), Luciano Rossi (Bass, Keyboard) und Danny Grant (Drums) mit Ungeduld erwarten, könnte schließlich gut sein, daß da noch mehr draus wird. Hier jedenfalls der erste von vier Tracks "Suzie Wong".

SOAR: Erhebend

Das Coverfoto gibt die Assoziation noch nicht her, die Musik dann aber schon: SOAR, vierköpfige Mädchenband aus San Francisco, können mit ihrem so melodischen wie angenehm windschiefen Sound für so manches erhebende Gefühl sorgen - insofern passt der Bandname dann auch wieder. Eigentlich sind Shannon Bodrogi, Jenna Marx, Rebecca Redman und Mai Oseto in verschiedenen Formationen zu Hause, nun haben sie für das neue Projekt ihre Stimmen und Instrumente zusammengeworfen und für den 25. August via Father/Daughter Records gleich ein Debütalbum angekündigt. "Dark/Gold" wird zehn neue Songs enthalten, von denen hier schon mal zwei vorab zu hören sind - "Fort Funston" und "Fatigue".

Montag, 24. Juli 2017

Cold Specks: Zeit für Eigenes [Update]

Täuscht der Eindruck, oder sind das weichere Töne? Mehr Soul vielleicht? Drei Jahre sind seit der letzten Platte "Neuroplasticity" von Ladan Hussein aka. Cold Specks vergangen und wirklich untätig war die Kanadierin keinesfalls. Kollaborationen mit den Swans, Massive Attack und Moby standen auf dem Programm, bevor sie sich wieder eigenem Material widmen konnte. Das scheint nun abgeschlossen, das neue Album soll noch in diesem Jahr bei Arts And Crafts erscheinen und neben einer Tour gibt es auch eine neue Single mit dem Namen "Wild Card", hier im Stream zu hören.

Update: Nun hat das neue Album auch einen Namen - "Fool's Paradise" kommt am 22. September in den Handel und mit dem Titelsong haben wir hier schon das zweite Stück parat. Erstmals in ihrer Karriere singt Ladan Hussein darin auch auf Somali - der Titel der Platte, so ist zu lesen, geht auf die somalische Redensart "Kala garo naftaada iyo laftaada" zurück, zu deutsch ungefähr: "Erkenne den Unterschied zwischen Deinen Knochen und Deiner Seele." Es wird sich also, darf man vermuten, in den Stücken viel um ihr eigenes Selbstverständnis als Kanadierin mit afrikanischen Wurzeln drehen.

10.10.  Köln, Yucca
11.10.  Hamburg, Nochtspeicher
14.10.  Berlin, Musik und Frieden
15.10.  Frankfurt, Brotfabrik
16.10.  München, Milla
18.10.  Wien, Arena
19.10.  Zürich, Stall 6
20.10.  Genf, La Graviere



Freitag, 21. Juli 2017

Superfood: Selbstläufer

Wo wir sie halten können, da halten wir sie - die Regel. Welche heißt: Kein Wochenende ohne amtlichen Dancetrack. Und dieser kommt heute von Dom Ganderton und Ryan Malcolm, zwei Herren aus Birmingham, die unter dem Namen Superfood schon öfter für Aufsehen (eigentlich Aufhören, klingt aber komisch) sorgen konnten. Nun haben die beiden für den 8. September via Dirty Hit ihr nächstes Album "Bambino" angekündigt und von diesem stammt die aktuelle Single "Unstoppable". Und damit haben sie verdammt noch mal recht. Dazu packen wir noch den etwas älteren Track "Double Dutch" - läuft das Wochenende.



Orbital: Nach der Landung

Und das einen Tag nach dem neuerlichen Jubiläum der Mondlandung: Zur Abwechslung mal wieder etwas von (hüstel) älteren Menschen - die Gebrüder Hardnoll, bekannter unter ihrem Projektnamen Orbital, haben gerade via In The Line Of Best Fit einen neuen Song veröffentlicht, ob "Copenhagen" denn auch ein weiteres Album ankündigt, bleibt allerdings unklar.

Gisbert zu Knyphausen: Licht und Schatten

Und noch eine Ankündigung, wenn auch ausnahmsweise auf leisen Sohlen: Gisbert zu Knyphausen hat eine Platte fertig. Benannt ist sie nach dem Song "Das Licht dieser Welt", den man in diesem Jahr schon im Remake "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" von/nach Dresen/Krüss hören durfte. Für das Album, das am 27. Oktober bei PIAS erscheint und zwölf neue Lieder (hier passt der Begriff endlich mal) bereithält, sollen eine Vielzahl von neuen Instrumenten nebst Musikern dabeigewesen sein, freuen dürfen wir uns auf Stücke wie "Etwas besseres als den Tod finden wir überall" und "Carla Bruno". Hier jedenfalls schon mal ein paar Tourtermine und der Opener "Niemand".

28.10.  Berlin, Lido
29.10.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
30.10.  Leipzig, Werk 2
01.11.  Köln, Gloria
02.11.  München, Technikum
03.11.  Zürich, Bogen F
04.11.  Schorndorf, Manufaktur
05.11.  Hannover, Kulturzentrum Faust

Zugezogen Maskulin: Krasser Stoff

Hier war die Neugier mit Sicherheit am größten: Zwei Jahre ist es her, da haben Zugezogen Maskulin mit nur einer einzigen Platte das Land in Brand gesetzt - was für ein Debüt! Nun, die Zeiten haben sich geändert und besser sind sie nicht geworden, wie lautet also, so fragte man sich ab und an, das Statement von Testo und Grim 104 dazu? Mit dem heutigen Tag und dem Video obendrauf ist das nun mal klar. "Was für eine Zeit" läßt, wie man so schön sagt, an Klarheit nichts zu wünschen übrig, der Clip dazu von Martin Swarovski spart nicht mit dystopischem und durchaus schwer verdaulichem Bildmaterial. Gut so. Das Album "Alle gegen alle" kommt dann am 20. Oktober, live sind momentan das Deichbrand, Rocko del Schlacko und natürlich die Reeperbahn gebucht.

Wanda: Die Sache mit dem Timing

Hund san's fei scho. Würde man jetzt in Bayern sagen. Übersetzt heißt das soviel wie, die Herren von Wanda sind ausgemachte Schlitzohren resp. Ganoven, die genau wissen, daß im südlichsten Bundesland der Piefkes bald die Ferien vor der Tür stehen (und anderswo gerade munter am laufen sind) und weil dazu lange Autofahrten (oder eben Staus) gehören, muß natürlich auch ein neues Album der Wiener Kapelle her. Sonst wäre das alles ja kaum zu ertragen - wer einmal laut "Amore!" grölend an Bologna vorbeigerauscht ist, weiß wovon hier die Rede ist. Nun also "Niente" - und das ist die Krux, das Ding kommt nämlich erst am 6. Oktober in den Handel, Ferien also längst vorbei. Die Vorabsingle "0043" gibt's deshalb aber samt Video zum Trost schon heute, ein wenig darf also schon noch am Timing gefeilt werden, bittschön.

Missincat: Mal anders

Foto: David Benham
Es ist ja kein Geheimnis, daß der Münchner im Allgemeinen ziemlich skeptisch auf alles reagiert, was aus Berlin kommt. Okay, es gibt Ausnahmen - gerade macht das Gerücht die Runde, nicht ein, sondern der Gemüse-Kebap Laden der Hauptstadt überlege sich eine Niederlassung an der Isar und schon dreht alles am Rad. Sonst aber: Misstrauen. Ob das auch für die Musik von Caterina Barbieri alias Missincat angebracht ist, müssen andere entscheiden, wir jedenfalls geben mal zu, dass wir nicht alle Veröffentlichungen der gebürtigen Mailänderin uneingeschränkt - tja: bolle finden. Das gilt nun aber explizit nicht für ein Stück ihrer neuen EP "Forces", die am 15. September erscheinen wird. Auf dieser finden sich fünf Kollaborationen der Künstlerin - namentlich mit Robot Koch, Federico Albanese, Me And My Drummer, Hundreds - und eben dem Hamburger Duo La Boum Fatale. Und eben jenes "Mother" fällt so angenehm aus dem Rahmen, dass wir es hier dringend erwähnen und anteasern möchten mitsamt seinen Björk- und TripHop-Bezügen. Und wem dann der Rest auch gefällt - um so besser...

Donnerstag, 20. Juli 2017

Mount Kimbie feat. King Krule: Der letzte seiner Art

Den Song gab's ja schon ein paar Tage, nun ist auch das Video dafür zu haben: Das Londoner Minimal-Electro-Duo Mount Kimbie hat für sein kommendes Album "Love What Survives" einen Song gemeinsam mit King Krule aufgenommen, dem rothaarigen Burschen also, der vor vier Jahren mit seinem Debüt "6 Feet Beneath The Moon" einen unglaublichen Senkrechtstart erlebte. Nun also "Blue Train Lines", ein vibrierender, nervöser Track, der in einer kunstvoll geschnittenen Bildergeschichte das Leben von Ishi, dem letzten Überlebenden des nordamerikanischen Ureinwohner-Stammes der Yahi, illustriert - Regie führte Raf Fellner. Das Album von Mount Kimbie soll am 8. September bei Warp Records erscheinen.

Wolf Parade: Rückholaktion

Eine etwas unverhoffte Meldung erreichte heute all jene, die ihr Ohr nicht ganz und ständig in der kanadischen Musikszene rund um Quebec geparkt hatten: Wolf Parade, die Band also von Spencer Krug und Dan Boeckner, wird am 6. Oktober via Sub Pop ganze sieben Jahre nach ihrem letzten Album "Expo 86" ein überraschendes Comeback hinlegen. Betitelt ist die Platte mit elf neuen Songs "Cry Cry Cry" und wie es sich für eine zünftige Rückholaktion gehört, bietet die Band mit "Valley Boy" auch eine erste Single als vertrauensbildenende Maßnahme an.

26.11.  Basel, Kaserne
27.11.  München, Hansa 39
29.11.  Berlin, Bi Nuu
30.11.  Hamburg, Gruenspan

Goat Girl: Neues Paar

Und ein weiteres, ungleich bekannteres Label vermeldet eine limitierte Pressung: Rough Trade gibt für den 25. August die Veröffentlichung einer neuen Single des Londoner All-Girl-Quartetts Goat Girl bekannt. Neben dem leading Song "Crow Cries" wird sich darauf auch "Mighty Despair" befinden, zuletzt waren Clottie Cream, Naima Jelly, L.E.D und Rosy Bones mit dem Pärchen "Scum"/"Country Sleaze" vor einigen Monaten in Erscheinung getreten (zu ersterem gab es dieses wirklich ziemlich widerliche Füttervideo, s.u.) - nun sind sie bald im Vorprogramm von The Fall (!) und kurz darauf auf ihrer ersten Headliner-Tour zu sehen.



PABST vs. Autisti: Vereint im Krach

Frohe Kunde aus dem Hause Crazysane Records: Gerade eben verkündete nämlich das Berliner Indielabel für den 1. September die Veröffentlichung einer musikalisch wie farblich sehr ansprechenden Split-Single. Die eine Seite (pink) ziert mit "Exciter" ein Song der ebenfalls in der Hauptstadt beheimateten Fuzzrocker PABST, auf der Kehrseite (mint) befindet sich "Dealbreaker", ein Song des Schweizer Trios Autisti. Beide Bands haben neben der neuen Doppel-A-7" natürlich auch noch eigenen Mehrwert am köcheln, von PABST wäre hier die immer noch aktuelle EP "Skinwalker", erschienen im November 2016, zu nennen, Autisti wiederum bereicherten Mitte April die Musiklandschaft mit ihrem Debüt "L'Altro Mondo". Nicht ganz unwichtig: Der Vinyl-Happen ist mit 300 Exemplaren streng limitiert, eine Vorbestellung kann also nicht schaden. Erfreulicherweise sind beide Kapellen demnächst an einem einzigen Abend bestaunen, sofern man in einer der folgenden fünf Städte vorbeischaut.

29.08.  Mainz, Schon Schön
30.08.  Hamburg, Astrastube
31.08.  Leipzig, Plaque
01.09.  Berlin, Internet Explorer
02.09.  Ilmenau, Baracke 5

Mittwoch, 19. Juli 2017

Bandtypografie: School of Rock

Klar, daß dieser Artikel hier erwähnt werden muß: Das Grafik-Portal Dorothy hat den NME zu einem kleinen Buchstabenquiz inspiriert und zwar mit einem Blatt, auf dem das Alphabet des Alternativ-Rock (bzw. -Pop) abgebildet ist, sortiert nach markanten Typen aus Band-Logos. Die Trefferquote im Spiel ist natürlich höher, wenn man gleich mal drei mögliche Antworten vorgegeben bekommt, mehr Spaß macht hingegen das freie Ratespiel mit anschließender Googlerei. Ein Alphabet des Rock gibt es an gleicher Stelle übrigens auch (leider ohne Quiz), der Blogger darf an dieser Stelle die Erkenntnis vermelden, daß ihm offensichtlich die Metaller näher liegen als die Indiemeute - wer hätte das gedacht.




The Mountain Goats: Minority Report

The Mountain Goats
„Goths“

(Merge)

Randgruppen-Bashing ist ja seit jeher ein probates Mittel für billige Lacher und hat deshalb nicht nur in diesen Monaten und hierzulande Hochkonjunktur. Beliebte All-Time-Zielobjekte: schwarz gewandete und kalkweiß geschminkte Goths. Doch um dem falschen Eindruck gleich vorzubeugen: Von platter Schadenfreude ist dieses Album so weit entfernt wie die aufgebrezelte Barbie-Kombo Tokio Hotel von besagtem Musikgenre (was ja genau genommen auch schon wieder den Tatbestand der Minderheitenbeschimpfung erfüllt). Jedenfalls ist John Darnielle, Gründer und Übervater der amerikanischen The Mountain Goats diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben, war er doch während seine früheren Sturm- und Drangzeit selbst ein leidenschaftlicher Gothjünger mit allen dazugehörigen Insignien und Wesensmerkmalen. Er selbst bezeichnet sich und seine damaligen Westküsten-Freunde allerdings lieber als Death Rocker, das Dunkle, Todgeweihte hatte es ihm unwiderruflich angetan und sollte seinen Zauber bis heute nicht verlieren.

Man hat wohl selten eine so liebenswürdige, augenzwinkernde Würdigung jugendlicher Eigenarten und Wirrungen auf dem allmählichen Weg zur Selbstfindung gehört, aus keiner Zeile der durchgängig wunderbaren zwölf Songs spricht Fremdscham, Reue oder gar Boshaftigkeit, vielmehr entdeckt Darnielle in der Zwangsgemeinschaft der verschlossenen Aussenseiter, Nachtanbeter und wunderlichen Wiegeschritt-Tänzer eine durchaus bewundernswerte soziale Komponente und eine szenetypische Treue und Unbedingtheit. Jedes der Stücke beleuchtet die Subkultur, wie sie ja amtssprachlich gern genannt wird, von einer anderen Seite, mal geht es um das Verschwinden und die unabänderliche Wiederkehr solcher Erscheinungen und mithin die teils recht traurigen Biografien ihrer Protagonisten, um bewunderswerte Jugendidole, Lieblingsklubs, um Nimmermüde, Unbelehrbare („Shelved“, „For The Portuguese Goth Metal Bands“) und um die eigenen Unzulänglichkeiten („Unicorn Tolerance“).

Noch erstaunlicher: Bis auf das wuchtigen Beat des Openers „Rain In Soho“, der tatsächlich so etwas wie Goth- oder eben Death-Rock sein könnte, sind alle restlichen Stücke erstaunlich feingliedrige, luftige Jazzpopnummern mit Saxophonsoli, hübschen Background-Chören und viel Spaß am Spiel. Und vor diesem beschwingten Hintergrund erträumt sich Darnielle dann Andrew Eldritch’s Rückkehr nach Leeds, den mytischen Gründungsort der Sisters Of Mercy (stilecht mit einer Jacke aus dem Leipziger Second-Hand-Fundus), witzelt er über Marotten und den strengen Kleiderkodex („Wear Black“, „Stench Of The Unburied“) oder die Selbstüberhöhung der Szene („We Do It Different On The Westcoast“). Zum Schluß gibt es mit "Abandoned Flesh" noch eine Hommage an die nicht ganz unumstrittenen Gene Loves Jezebel, neben The Cure, Celtic Frost und Siouxsie And The Banschees zeitlebens die Helden des Sängers, die mit den Worten endet: „You and me and all of us are gonna have to find a job, because the world will never know or understand the suffocated splendor of the once and future goth band“ – wie wahr. Und schon jetzt nicht der geheime, sondern der heimliche Headliner des Jahres 2017. http://www.mountain-goats.com/

Schleichwerbung: Das wollen wir ausnahmsweise nicht verschweigen - bei JPC gibt es eine Liebhaber-Version des Albums mit vampirrotem Doppelvinyl und 12"!